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Die DEMH - Geschichte der DEMH

Die DEMH - Geschichte der DEMH


Die DEMH - Was wir heute sind und was wir leisten

Die DEMH ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Hamburg, die der Stiftungsaufsicht der Freien und Hansestadt Hamburg unterliegt. Die DEMH ist Mitglied im Evangelischen Missionswerk in Deutschland e.V., dem Dachverband evangelischer Missionswerke, Kirchen und missionarischer Verbände in Deutschland.

Der Missionshilfe Verlag dient dem Stiftungszweck und nimmt auch verlegerische Aufgaben für das EMW wahr. „EineWelt“, die Zeitschrift des EMW und das „Jahrbuch Mission“ sind Objekte des Verlags. Das Jahrbuch wird gemeinsam herausgegeben vom EMW und dem Verband Evangelischer Missionskonferenzen. Hinzu kommen Einzeltitel wie die Reihe Gebete aus der Ökumene, die „Glossare des kirchlichen Sprachgebrauchs“ und die flächentreue Weltkarte in Peters Projektion. Möglich wird dies auch dank finanzieller und personeller Unterstützung durch das EMW.

Begleitet von Fachleuten aus Publizistik und Mission

Die Stiftung verfügt nur über ein kleines Kapital, das ausschließlich für den satzungsgemäßen Stiftungszweck verwendet wird, „die Missionsverantwortung in der evangelischen Christenheit, vorwiegend in Deutschland, zu wecken und zu stärken und dabei koordinierend tätig zu sein, hauptsächlich durch Zeitschriften- und Literaturarbeit.“

Geleitet wird die Stiftung von einem fünfköpfigen Vorstand, der einem Kuratorium Rechenschaft gibt. Ihm gehören Verlagsfachleute, Publizisten und theologische Mitarbeiter von Missionswerken und Kirchen an. Die laufende Arbeit wird von einem Geschäftsführer geleistet, der als Referent im EMW beschäftigt ist. Die einzige Angestellte der Stiftung ist für das Rechnungs- und Verlagswesen und die Redaktionsassistenz der Zeitschrift „EineWelt“ zuständig.

Von Groß zu Klein – aber nicht ohne Wirkung

Wenn man bedenkt, wie groß gedacht worden war, als die Stiftung 1913 mit üppiger Kapitalausstattung begann, so ist die Geschichte der DEMH auch die einer (teils erzwungenen, teils gewollten) Rückkehr zur Bescheidenheit. Aber auch mit der kann man etwas bewirken.

Und dass es diese Geschichte in sich hat, können Sie auf den nächsten Seiten lesen oder hier als PDF komplett herunterladen.

Eine Stiftung und ein Verlag mit bewegter Geschichte

„Die allgemeine Teilnahme für die deutsche evangelische Mission zu erwecken, zu pflegen und zu fördern“

1913
1913
– dies war der Zweck der Stiftung „Deutsche Evangelische Missions-Hilfe“ (DEMH), die am 6. Dezember 1913 im Preußischen Herrenhaus zu Berlin (heute Sitz des Bundesrates) von 195 Männern – Frauen waren damals nicht dabei – gegründet wurde.

Alle gehörten dem gehobenen Bürgertum an – Parlamentarier, Ministerialbeamte, Juristen, Kaufleute und leitende Herren aus Kirchen und Missionsgesellschaften. Die Stiftung sollte über die „Bedeutung der Mission in den deutschen Kolonien und Schutzgebieten“ aufklären und dadurch neue Unterstützer für die Mission – hauptsächlich aus kolonial interessierten Kreisen – gewinnen.

Der Verlust der Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg und das fast völlige Dahinschmelzen des Stiftungsvermögens durch die Inflation brachte die als „dauernde Organisation zugunsten der deutschen evangelischen Missionsarbeit“ gegründete DEMH an den Rand des Zusammenbruchs.

2013
2013
Dadurch aber entdeckte sie ihre eigentliche Aufgabe: Mit publizistischen Mitteln über eine Mission aufzuklären, die nicht mehr mit Herrschaftsinteressen verbunden ist, sondern den weltweiten Horizont christlicher Existenz ins Bewusstsein rufen will. Und das ist nur möglich im engen Dialog mit den Geschwistern im Glauben – welchen der vielen „Dialekte des Glaubens“ sie auch immer pflegen.

Die bewegte Geschichte der DEMH ist auch ein Lehrstück über die oft schmerzhaften Lernprozesse der evangelischen Missionen auf dem Weg zu einem ökumenischen Missionsverständnis.

1913: Ein nicht verlangtes Geschenk

Die DEMH geht auf die so genannte Kaiserspende für die deutschen Missionen von 1913 zurück. Es war aber keine Spende des Kaisers für die Missionen. Die „Nationalspende zum Kaiserjubiläum für die christlichen Missionen in unseren Kolonien und Schutzgebieten“, wie sie offiziell genannt wurde, nahm das 25. Regierungsjubiläum von Kaiser Wilhelm II. zum Anlass, „durch eine Spende unseren Missionen zu helfen und damit zugleich ein nationales Interesse zu fördern“.

Kaiser Wilhelm II.
Kaiser Wilhelm II.

In dem Aufruf hieß es: „Deutsches Wesen und deutsche Kultur sind die stärksten Träger von Deutschlands Macht in fernen Weltteilen, sind ihre Grundfesten in den eigenen Schutzgebieten. Die wirksamsten Pioniere deutscher Gesittung in den Schutzgebieten sind die christlichen Missionen.“

Die Idee dazu war nicht von den Missionen gekommen. Initiatoren waren der Verleger der Magdeburgischen Zeitung, Friedrich Gustav Robert Faber (1869 – 1924), der sich der Unterstützung des Oberregierungspräsidenten der Provinz Sachsen, Eduard Wilhelm von Hegel (1849 – 1925) versichern konnte. Fabers Kerngedanke war, dass man mit der Betonung der „wertvollen Nebenwirkungen missionarischer Tätigkeit“ neue Freunde für die Mission gewinnen könnte – insbesondere aus den kolonial interessierten Kreisen.

Als der „Arbeitsausschuss für die Nationalspende“ den Plan öffentlich machte, waren die – an den gesamten Überlegungen nicht beteiligten – Missionsgesellschaften überrascht. Insbesondere gegen die Vermischung religiöser und politischer Interessen gab es erhebliche Bedenken.

Andererseits hatten sie das erhoffte Geld dringend nötig. Die Spenden der Missionsfreundinnen und -freunde reichten bei weitem nicht aus für die umfangreiche Arbeit, und zahlreiche Missionen schoben einen großen Schuldenberg vor sich her. So ließ man sich schließlich darauf ein, die „Nationalspende“ zu unterstützen.

1913: Millionen für die Missionen

Eine professionelle Kampagne ...

Vorderseite des Flugblatts.
Vorderseite des Flugblatts.
Von heute aus betrachtet, ist es erstaunlich, mit welcher Schnelligkeit, Professionalität und Wirkung die Öffentlichkeitsarbeit für die Nationalspende verlief – und dies alles ohne die modernen Kommunikationsmittel. Dank der Fürsprache von Robert Faber und einer intensiven Pressearbeit wurde der Aufruf reichsweit in den meisten Zeitungen abgedruckt, anderen lag ein Flugblatt bei, das über 700.000 Mal verbreitet wurde. Und die koloniale Fachpresse warb natürlich ebenfalls für die Kaiserspende.

... mit nicht ganz so berauschenden Ergebnis ...

Dennoch konnten die Initiatoren mit dem Ergebnis nicht ganz zufrieden sein. Tage vor der symbolischen Überreichung an Kaiser Wilhelm II. waren für die evangelischen Missionen knapp 2,4 Millionen Mark eingegangen, für die katholischen 1,2 Millionen. Mit einer zusätzlichen Kollekte in den evangelischen Kirchen Preußens einen Tag vor der Überreichung und einer Verlängerung der Einzahlungsfrist kamen schließlich rund 3,44 für die evangelischen und 1,3 Millionen für die katholischen Missionen zusammen.

Im Vergleich dazu hatte die „Zeppelinspende des deutschen Volkes“ 1908 über sechs Millionen Mark eingebracht, für die „Nationalflugspende“, mit der die „Vervollkommung der Flugapparate“ und die Ausbildung der Flieger verbessert werden sollte, wurden von April bis Ende Dezember 1912 fast 7,5 Millionen Reichsmark gesammelt. Aber immerhin: Für die schuldengeplagten Missionen waren diese Millionen eine willkommene Entlastung.

... und der Idee für eine dauerhafte Organisation für die deutschen evangelischen Missionen

Als es an die Aufteilung ging, kam die Idee auf, einen Teil des Geldes für eine zu gründende Organisation zurückzubehalten. Ein „Deutscher evangelischer Missionsbund“ solle gegründet werden, „dessen Aufgabe es sein soll, das evangelische Deutschland zu einer wirksamen Inangriffnahme des ihm zukommenden Anteils an der Weltmission anzuregen und die Missionsarbeit in den deutschen Kolonien zu fördern und ihm neue Freunde zuzuführen.“

Aber erst einmal kam es zum Streit mit den Missionsgesellschaften, die die Idee gar nicht so gut fanden.

1913: Gründung mit Hindernissen

Alles andere als beglückt waren die Missionen, als sie von der Absicht hörten, einen Missionsbund zu gründen. Die von ihren Kirchen unabhängigen, weitgehend aus Spenden finanzierten Missionsgesellschaften hatten Angst, es würde ihnen eine – dank der aus der Nationalspende abgezweigten 400.000 Mark – reiche und mächtige Dachorganisation übergestülpt. Wenn diese auch noch Spenden sammeln würde, könnten ihnen Einnahmen entgehen, auf die sie dringend angewiesen waren. Erschwerend kam hinzu, dass der Arbeitsausschuss bereits Fakten geschaffen hatte: Der Verteilungsplan war vom Kaiser allerhöchst gebilligt worden – wer wollte sich dem entgegenstellen?

Dramatische Rettung in letzter Minute

Dass es schließlich doch zur Gründung der DEMH kam, stand bis zum Vorabend ihrer Gründung noch auf der Kippe. Da erst einigten sich die Vertreter der Missionen und der Arbeitsausschuss der Nationalspende, dass es Aufgabe der DEMH sein sollte, „die allgemeine Teilnahme für die deutsche evangelische Mission zu erwecken, zu pflegen und zu fördern“, nicht aber "selbständige Arbeit auf dem Missionsfelde". Und natürlich erst recht nicht das Sammeln von Spenden. Finanziert werden sollte die Arbeit ausschließlich aus den Zinsen des Stiftungsvermögens von 456.835 Mark und Mitgliedsbeiträgen.

Eine „hochansehnliche Versammlung“

Unter dem Vorsitz des Präsidenten des Preußischen Herrenhauses, von Wedel, konnte schließlich am 6. Dezember 1913 im großen Sitzungssaal des Herrenhauses die Stiftung gegründet werden. Der per Telegramm an den Kaiser geschickte Bitte um Übernahme des „Protektorats“ wurde erwartungsgemäß bereits während der nur zweieinhalbstündigen Sitzung entsprochen. Mit dieser landesherrlichen Genehmigung hätte es endlich mit Schwung losgehen können.

Aber es kam etwas dazwischen: ein Weltkrieg. Und der warf fast alle Pläne über den Haufen.

1914 - 1923: Krieg, Verlust der Kolonien und des Kapitals

Die DEMH hatte kaum ihre Arbeit aufgenommen, als der Erste Weltkrieg begann – und mit einem Mal entfiel ein Teil ihrer ideologischen Geschäftsgrundlage: die deutschen Kolonien. Zwar war nur ein Teil der Missionsgesellschaften dort tätig, aber mit der Internierung des deutschen Missionspersonals in allen Kolonien der Alliierten lag „die deutsche evangelische Mission darnieder, soweit Englands Arm reicht“, wie es 1915 in einer DEMH-Sitzung hieß. Der Krieg mit all seinen Folgen bestimmte das Leben auch der Missionen.

Ein Pressedienst für die Mission

Umso begieriger waren die Missionsfreunde zu erfahren, wie es auf dem „Missionsfeld“ weiterging, denn in manchen Ländern wie Indien konnten die Missionen zunächst weiterarbeiten, in den deutschen Kolonien wurden die Missionare interniert, und nur in den neutralen Gebieten (wie den holländischen Besitzungen) konnte sie die Arbeit fortsetzen.

Deshalb fanden die am 10. Februar 1915 erschienenen „Allgemeinen Missions-Nachrichten“ (AMN) großes Interesse in der deutschen Presse. Sie wurden vom ersten DEMH-Direktor, August Wilhelm Schreiber, zusammengestellt und monatlich mit Unterstützung des Evangelischen Pressedienstes an über tausend Zeitungen im ganzen Reich über neue Entwicklungen geliefert.

Der Verlust der Kolonien

Mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags wurde jedem klar, dass Deutschland seinen „Platz an der Sonne“ verloren hatte – eine schmerzhafte Erkenntnis nicht nur für die Kolonialkreise. Mit der angestrebten „Weltgeltung“ würde es nichts mehr werden. Auch in den Publikationen der DEMH, neben den AMN die Zeitschrift „Die evangelischen Missionen“ und in der Broschüren-Reihe „Flugschriften“ wollte man sich lange nicht mit dem Verlust abfinden.

Das Kapital – dahingeschmolzen

Als dann während der Inflation 1923 der Stiftungskapital fast völlig wertlos wurde, erhob sich die Frage, ob man das gesamte Unternehmen nicht ganz abwickeln sollte. Statt dessen ergaben sich auf einmal neue Chancen.

1923 - 1933: Das Glück des Verlustes

Das Christentum überlebt auch ohne Missionare

Nicht nur die DEMH, sondern auch die Missionsgesellschaften wurden überrascht, wie gut die von deutschen Missionaren entblößten Gemeinden in Übersee die Kriegszeit überstanden hatten. Als die Missionare zu Beginn der 1920er Jahre zurückkehren durften, fanden sie gewachsene Gemeinden vor, die sich zum Teil von ihren europäischen Vormündern emanzipiert hatten. Anfänglich verblüfft, betrachteten die Missionen diesen Prozess als einen erfreulichen ersten Schritt zur Selbstständigkeit der einheimischen Kirchen.

Wieder aufgenommen in den Kreis der internationalen Missionsorganisationen

Dass man sich mit dem Verlust der Kolonien abfand, ging letztlich auf die Aktivitäten des Internationalen Missionsrates (IMR) zurück, der Anfang Oktober 1921 auf seiner Sitzung in New York eine Art Ehrenerklärung für die deutschen Missionen abgegeben hatte: Deutsche Missionare hätten nicht gegen die Alliierten gearbeitet - die Internierung oder Ausweisung sei also überzogen gewesen. Dies und die Forderung, dass die Deutschen wieder auf ihre Stationen zurückkehren konnten. hatte den deutschen Missionen den Weg zurück erst ermöglicht.

Ablehnung des Bündnisses mit dem Kolonialismus

„Jedes Bündnis mit der Regierung ist geeignet, die ganze Mission früher oder später in Mißkredit zu bringen.“ Solch ein Satz von Walter Freytag, dem zweiten Direktor der Missionshilfe 1923 in der DEMH-Zeitschrift „Die evangelischen Missionen“ geschrieben, macht überdeutlich, dass sich die Missionshilfe von ihrer Verbindung mit dem Kolonialismus losgesagt hatte. Bedenkt man die Gründungsgeschichte mit der „Kaiserspende“, war dies eine Zeitenwende. Und solche Formulierungen waren kein Einzelfall – man war auf dem Weg zu einer partnerschaftlich orientierten, von Rücksichten auf staatliche Interessen befreite Mission.

Aber lange sollte es nicht mehr dauern, bis Führerstaat und Rassenwahn des Nationalsozialismus die DEMH bedrohen sollte – und mit ihr alle deutschen Missionen.

1933 - 1945: Die Missionen und ihre Presse unter Druck

Widerstand? Ein wenig.

Man kann nicht gerade behaupten, dass sich die evangelische Kirchen dem Nationalsozialismus entschieden entgegengestellt hätten. Der wuchs erst, als Nazis und die „Deutschen Christen“ die Kirchen und gleich auch die unabhängigen Missionsgesellschaften unter dem Dach einer „Deutschen Evangelischen Kirche“ und ihrem „Führerprinzip“ vereinigen wollten. Dagegen war der Widerstand erfolgreich – und führte die Missionen in einem Deutschen Evangelischen Missionstag (DEMT) enger zusammen. Letztlich also das, was 1913 gescheitert war, als statt des geplanten „Deutschen Evangelischen Missionsbunds“ nur die DEMH gegründet wurde. Erst mit dem DEMT war es möglich, dass sich die Missionen am 23.10.1934 an die Seite der Bekennenden Kirche stellten.

Geschrumpfte Publizistik

Zu dieser Zeit hatte die Missionshilfe nur noch ein einziges publizistisches Organ, die „Allgemeinen Missions-Nachrichten“ (AMN). Die „Evangelischen Missionen“ waren 1931 eingestellt worden, unter anderem gebeutelt durch die Weltwirtschaftskrise und wegen zurückgegangener Auflage. Die AMN als Pressedienst hatte man 1928 aufgeben müssen, sie erschienen nun sechsmal jährlich im kleinen Format. Auf nur vier Seiten stellte der DEMH-Direktor Walter Freytag 12 bis 15 Meldungen und Kurzberichte zusammen – ein auch heute noch lesenswerter und kompakter „Reader’s Digest“ über alle wesentlichen Ereignisse der deutschen und internationalen Missionsszene. Für AMN-Verhältnisse ungewöhnlich lang war ein Bericht über die Weltmissionskonferenz 1928 in Jerusalem.

Und dann ganz verboten

Aber mit diesem Blick in die Welt war am 31. Mai 1941 Schluss. Wie die meisten Zeitungen und Zeitschriften wurde das Erscheinen verboten, „ um Menschen und Material für andere kriegswichtige Zwecke freizumachen.“ Erst die Befreiung durch die Alliierten eröffnete der Missionshilfe neue Chancen.

1945 - 1957: Neubeginn unter Aufsicht

Als im Oktober 1948 die erste Nachkriegsausgabe der AMN erschien, geschah das unter der „Nachrichtenkontrolle der Militärregierung“. In der auf ihn persönlich ausgestellten Lizenz Nr. 148 mit mehrseitigem Instruktionen musste sich Herausgeber Freytag unter anderem verpflichten, „in einer redaktionellen oder meinungsführenden Stellung“ keine ehemaligen Mitarbeiter von NS-Formationen zu beschäftigen und nicht gegen die Alliierten zu agitieren.

Auf die internationale Bühne

Gleich in der ersten Ausgabe wurde der Blick auf die internationale Ebene gelenkt: Mit einem Artikel über die Tagung des Internationalen Missionsrates (Juli 1947, Whitby, Kanada). Und in einem „Wort des Herausgebers“ machte Freytag deutlich, dass es bei der Mission nicht mehr „um die Aufrechterhaltung eines Werkes gehe, das uns von den Vätern überkommen ist“, sondern dass die Trennung von Kirche und Mission überwunden werden müsse: „Wo lebendige Kirche ist, ist Mission, und wo Mission ist, entsteht Kirche.“

Ihrer Zeit voraus

Auch in den folgenden Jahren wurde in den AMN immer wieder das „Denken in Missionsgesellschaften“ kritisiert und ein engerer Zusammenschluss der Missionen untereinander und eine direktere Verbindung zu den Kirchen gefordert. Damit waren die AMN ihrer Zeit voraus, denn erst 1961, mit dem Zusammenschluss des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und dem Internationalen Missionsrat (IMR) wurde eine Entwicklung angestoßen, die Kirche und Mission eng zusammenführte.

Ein angesehenes Fachblatt

Mit ihrer Auflage von bis zu 12.000 Exemplaren waren die AMN ein anspruchsvolles Blatt, das sich in erster Linie an die besonderes Engagierten in Mission und Kirche richtete. Ende 1957 kündigte das Blatt ein Wagnis an: Man wollte mit einer neuen Zeitschrift den Dunstkreis der Fachleute verlassen.

Konnte das gutgehen? Die Macher waren sich da nicht so sicher.

1958 - 1983: Der lange Weg zum Magazin

Ganz so einfach wie gedacht war es nicht, mit Themen aus Mission und der weltweiten Ökumene in die breite Öffentlichkeit zu kommen. Selbst für engagierte Kirchenmitglieder – ja sogar für viele Pfarrerinnen und Pfarrer – ist dieses Thema (bis heute) nur eines unter vielen, oder sogar eines von Gestern. Könnte man dagegen mit einer Zeitschrift entgegenhalten?

Das Wort in der Welt

Der neue Titel „Das Wort in der Welt“ kam bei den bisherigen AMN-Lesern jedenfalls gut an. Mit einem modernen Layout und den Schwarzweiß-Fotos war man gestalterisch auf der Höhe der Zeit. Die langen Texte gingen in die Tiefe, lieferten Analysen zum Beispiel über die damals beginnende Entkolonialisierung Afrikas – und was das für die Kirchen bedeutete. Der Deutsche Evangelische Missionsrat (DEMR), damals der Zusammenschluss aller Missionsgesellschaften, bekannte sich zu diesem Blatt und fungierte als Herausgeber, die Missionshilfe war für das Verlegerische zuständig. Und die Referenten im Hamburger DEMR-Büro waren prominent unter den Autoren vertreten, Schließlich übernahmen sie auch die Redaktion, denn nach dem frühen Tod von Walter Freytag (1959) war die DEMH ohne eigenes Personal.

Starke Konkurrenz

1958
1958
1973
1973

Die Abonnementszeitschrift „Wort in der Welt“ bekam nach und nach Konkurrenz, denn die Blätter der Missionsgesellschaften wurden kostenlos an Spender und Freunde verteilt. Und das genügte den meisten. Für eine Zeitschrift, die den Blick auf das Ganze der weltweiten Kirchen richtete, fanden sich nur rund 10.000 zahlende Abonnenten. 1973 wurde die Zeitschrift zu einem – zeittypisch sehr, sehr bunten – Magazin mit weit kürzeren Texten als früher. Mehr Stoff, kürzere Texte – und die kamen nun auch teilweise von Journalisten, während bis dahin fast ausschließlich Theologen als Autoren auftraten. Zu Beginn der 1980er Jahre dämmerte es den Verantwortlichen aber, dass sie professionelle Hilfe brauchten, wenn sie in der immer bunter und vielfältiger werdenden Medienwelt noch wahrgenommen werden wollten.

Ein ganz neues Konzept musste her.

1983 - 1995: Ein Titel, der herausfordert

1983
1983
Beraten von renommierten Zeitschriftenmachern, das Layout von Profis erdacht, eine Nullnummer vorher getestet durch ein Marktforschungsinstitut: Man hatte alles richtig gemacht, als die erste Ausgabe „die Weltmission“ herauskam. Das Blatt hätte selbst im Zeitschriftenhandel bestehen können, auch von der journalistischen Qualität. Das Evangelische Missionswerk in Deutschland (EMW), Nachfolge-Organisation des DEMR, hatte als Herausgeber tüchtig investiert.

Auftrag: Aufklärung – nicht Public Relations

Dass man das anstößige Wort „Weltmission“ auf den Titel nahm, war der selbstbewusste Versuch, durch die Inhalte des Magazins zu zeigen, dass Mission so ganz anders ist als die weithin herrschenden Vorurteile. Und wer das Blatt trotz des Titels in die Hand bekam, der fand dort keine plumpen PR-Texte, sondern Reportagen, Hintergrundberichte, Interviews und Meldungen, die den Blick öffneten in die ganze Weite und den Reichtum der weltweiten Ökumene.

Lob, aber zu wenig Abonnements

Die Abonnenten wussten den Stil zu schätzen, manche regten sich auch auf (insbesondere über die klare Position zur Apartheid in Südafrika), aber es blieben zu wenige, die dafür die mageren neun Mark im Jahr für sechs Hefte zahlen wollten. Das langsame Abbröckeln der Auflage – schon damals ein Grundproblem der konfessionellen Presse – konnte nicht gestoppt werden. Denn letztlich blieb man in den bekannten Zielgruppen – den Test am Kiosk oder nennenswerte und auf lange Sicht angelegte Werbeaktionen gab es nie.

Ein Titel, der neugierig macht?

Der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, die vielen Dritte-Welt-Gruppen in Kirchengemeinden, die Weltladen-Bewegung: In den 1980er Jahren und frühen 1990ern kam neuer Schwung in die Kirchen und die Zivilgesellschaft. Ohne dass es den meisten bewusst war, wurden damit Kernanliegen der Mission aufgenommen. Was lag also näher, an die Ränder der „Kerngemeinde“ zu gehen, um neue Interessierte für die Themen der Zeitschrift zu gewinnen.

Ohne einen neuen Titel würde das aber nicht gelingen. Der vierte seit Erscheinen der „Allgemeinen Missions-Nachrichten“ 1915.

1996: EineWelt - Magazin aus Mission und Ökumene

„Mit dem neuen Titel wollen wir Menschen neugierig machen auf unsere Inhalte“, hieß es im letzten Heft unter altem Titel. „Vor- und Fehlurteile gegenüber dem Begriff Mission können wir nicht zurechtrücken, wenn das Blatt wegen des Titels nicht gelesen wird.“ Selbst die bisherigen Leser waren angetan: „Das wurde aber auch Zeit, man konnte das Blatt ja nicht offen herumliegen lassen“, schrieb jemand. Und vergleichbare Reaktionen gab es viele.

1996: EineWelt
1996: EineWelt

Das Missionsblatt im Dritte-Welt-Laden

Um neue Zielgruppen zu interessieren, wurde eine Promotion-Aktion in zahlreichen Dritte-Welt-Läden gestartet. Kostenlose Probehefte mit Bestellkarte lagen auf dem Ladentisch – und tatsächlich: Erstmals seit Jahrzehnten stieg die Zahl der Abonnements wieder. Die Idee war also richtig. Nur reichten die Mittel nicht, um diese Aktion länger als ein halbes Jahr durchzuhalten.

Evangelische Presse auf dem Prüfstand

Probleme mit sinkenden Abo-Zahlen hatten die von den Missionswerken herausgegebenen Zeitschriften nicht. Sie wurden kostenlos an alle verschickt, die irgendwann einmal eine Spende überwiesen hatten, andere in Kirchengemeinden zum Mitnehmen ausgelegt. Ähnlich verfuhren viele evangelische Einrichtungen und Werke, aber es wurde kaum gefragt, ob das Gedruckte auch Interesse fand. Mitte der 1990er Jahre kam eine publizistischen Expertengruppe im Auftrag der EKD zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis: Zuviel landet ungelesen im Container, und zu wenige der Presseerzeugnisse sind wirklich gut gemacht.

Und die Missionszeitschriften?

Zwar war die Missionspresse nicht speziell untersucht worden, aber nun wollten es die Redaktionen der Missionszeitschriften genau wissen. Das Ergebnis einer Fachberatung im Jahre 1996 war ebenso ernüchternd wie anspornend: Von der journalistischen und gestalterischen Qualität war bei den meisten kostenlos verteilten Missionszeitschriften noch Luft nach oben. Und dann stellte der Fachmann die entscheidende Frage: Warum macht ihr eigentlich keine gemeinsame Zeitschrift?

Seit 2003: die Kooperation Missionspresse

Die Idee war so naheliegend, dass man selbst hätte darauf kommen müssen: Alle Zeitschriften der EMW-Mitglieder beschäftigen sich letztlich mit einem Thema – der Mission und den weltweiten kirchlichen Beziehungen. Lediglich ein Teil der Inhalte bezieht sich auf das herausgebende Missionswerk und seine speziellen Verbindungen zu bestimmten Partnern. Darüber müssen Spender und Freunde informiert werden. Aber über das Ganze von Mission, weltweiter Ökumene und Partnerschaft kann man viel besser berichten, wenn man seine personellen und finanziellen Ressourcen bündelt.

Der Mantel passt (fast) allen

Ein gemeinsamer Mantel für alle, spezielle Regionalteile für die einzelnen Missionswerke – und um das ganze einen Umschlag mit dem bekannten Titel. Zu dieser Lösung konnten sich schließlich (nach langer Beratung in den Leitungsgremien) sechs Missionswerke entschließen. Neben dem EMW mit seiner Zeitschrift „EineWelt“ die der Missionswerke in Niedersachsen (ELM), Bayern (MEW) und Südwestdeutschland (EMS). Und dazu eine Besonderheit, die in der evangelischen Publizistik bis heute einmalig ist: Auch mission 21 aus der Schweiz und der Evangelische Arbeitskreis für Weltmission (EAWM) in Österreich sind Teil der „Kooperation Missionspresse“.

Eine Zeitschrift für drei Länder und sechs Missionswerke

Seit 2003 arbeiten sechs Redaktionen an dieser gemeinsamen Zeitschrift. In Hamburg beim EMW ist die geschäftsführende Redaktion angesiedelt, der Missionshilfe Verlag ist für das Verlegerische zuständig. Die Arbeitshypothese dass man gemeinsam eine bessere Zeitschrift machen könnte, hat sich bewahrheitet. Das bestätigen auch Leserzuschriften und Befragungen. Was einzig nicht geklappt hat: Nennenswert neue Abonnenten zu gewinnen. Aber die 25.000 Exemplare des gemeinsamen Mantels gehen heute nur an diejenigen, die sie auch wirklich bekommen wollen – und nicht ins Altpapier.